2000 – Nr. 18

2000 – Nr. 18

 

De Bittlich-Troochriemer

Vor fuchzig Gahrne hamm de Klenge­tho­ler Harmonikawerke in der ehemalign Rau­ner-Fabrik an dr Eck Hohe Strooß ond Post­strooß ihr „Abteilung Endkon­trolle“ ghatt. In en großn Raum warn dort zer aan Hälft die Owischweiber be­schäftigt. Die hamm vo jedn Balgn sämtliche  Fleck­le ond Schmie­rer weggeputzt ond noochert auf Hochglanz gwienert. Zer annern Hälft warn Reparierer ond Dorchspiller ahgstellt. War alles blitzblank ond in Ord­nung, sei de Balgn nei Kuffer komme, de Troochriemer in braune Packpapier mit neigleecht worn, Deckel zu ond ab nauf ne Packhaus in dr Hohen Strooß. Dort sei de Balgnkuffer ze zeh Stück nei Holzkistn verpackt worn.
Manche Aarbeter konnten ausn Fen­ster nauf zen Lebnsmittellodn „Schloss­meinel“ guckn. Des ehemalige „Kaufhaus Schloss“ steht gegnüber ven Hotel Schüt­zen­haus, später Klengetholer Hof – der is heit gar nemmer ze seh. Später hots in einstigen Lebnsmittelgschäft teiers Ah­zieh­z­eich gebn, ond dr Lodn hot „exquisit“ ghaaßn ond nuch später gabs Spiel­zeig drenne ze kaafn.
Jedenfalls konntn de Aarbeter nauf zen Lebnsmittellodn guckn ond hamm genau registriert, wenn e Lieferung komme is. Do kams nämlich drauf ah, schnell ze sei, eh de War knapp oder ganz ond gar ausverkaaft war. Gleich is aaner beauftroocht worn, fix naufzelaafn ond fer alle orndlich eizekaafn. Zack, be de großn Tür ben Packhaus in de Hohen Strooß naus, fluchs de Trepp nauf gwetzt ond scho war mr dr erschte in Lodn, do war de Lieferung oft nuch gar net nein Gschäft getroong worn.
Aamol hots Bittlich (Bücklinge) gebn ond e Aarbeter vo de End­kontroll es Renne gmacht. De Fisch hotr sich in Lodn nei brauns Packpapier wickln lossn, desr vo de Fabrik mitgnomme hot. Ball zerück vertaaltr de begehrte War. Aa de Maa­stern vo die Owischweiber hot e Packl griecht ond sich scho gfraat. Wos se wohl dezu machn werd? Viel­leicht kochte Erd­äppl, mol seh, denkt se ond legt des Fischpackl erschtemol ze de Troochrie­mer hie. Wie se drhaam es Ohmd­brot hiericht ond ne Bittlich auftroong mecht, rührt se ball dr Schlooch. Hot doch esu e Mist­griebel ihr Bittlichpackl gegn e Packl Troochriemer ausgetauscht. No dös gab e Gschrei en Tooch drauf, doch dr Spaß­vogel hot sich net ze drkenne gebn.
Doch dr entgangene Genuß war allaa net su tragisch; Troochriemer ond Salzer­däppel is bloß des aane – aber e Balgn mit Bittlich als Troochriemer de schlimmere Gschicht. Wos solln no de Leit soong, wenn se aus ren Klengetholer Balgn en Bitt­lich brenge. Wo is denn dr Fisch itze? Er war freilich scho mit neigepackt ond in irgend aaner Holzkist mit drenne. No su ein Trara, su eine Aufrechung. Krack – mußtn se aufghebelt ond jeder Kuffer aufgmacht wern. Do! Iech ho de falsche Garnitur, schreit aaner. In dr viertn Kist war se. Ond dr Fischgruch drzu.

Herbert Gerbeth/Thomas Lenk

Aschberger Land 18 (2000)
 

 

 
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