2003 – Nr. 30

2003 – Nr. 30

 

Inhalt 2003, Nr. 30

Frühjahr 2003


Neu: Supita II Knopfakkordeon
Mit der „Supita II Knopf“ wird die breite Produktpalette der Harmona GmbH am oberen Ende um ein weiteres Spitzeninstrument erweitert

Wanderwoche im Aschberger Land
Eine Gemeinschaftsaktion des Heimatvereins Zwota mit Hoteliers und Gastwirten aus Klingenthal und Zwota

Betriebsfußball
Die Fußball-Meisterschaft der Betriebsmannschaften

Björn Kircheisen: Der Aufsteiger der Saison
Der Johanngeorgenstädter, der am Leistungszentrum in Klingenthal bei Kerst Dietel und Uwe Schuricht trainiert, hat seinen endgültigen Durchbruch in die Weltspitze erreicht

Klingenthaler Kinogeschichten
Die ersten Lichtspieltheater im Klingenthaler Raum

Der Osterhase Karl Otto
Eine Geschichte von Bernd Fietz

Wintersport-Splitter

Musiktage-Programm
Der 40. Internationale Akkordeonwettbewerb Klingenthal

Aschberger-Land-Mosaik

Firmengeschichte: Meinel & Herold
Die Zungeninstrumenten-Sammlung Zwota erinnert an ein Jubiläum der Firma Meinel & Herold Klingenthal, die 1893, vor nunmehr 110 Jahren gegründet wurde

Klingenthal in DEFA-Filmen
Drei alte DEFA-Filme, welche in Klingenthal gedreht wurden, werden wieder einem öffentlichen Publikum vorgeführt

Krammetsvögel – die Boten des Winters
Manfred Körner erzählt Wissenswertes über die Wacholderdrossel

Kleine Dinge ganz groß
Das Buschwindröschen

Heimische Heilpflanzen
Die Birke

Damals ...
Historisches Foto: Radfahrer am Klingenthaler „Hotel Zur Post“

Freizeit-Tipps, Programmkalender für Klingenthal und Zwota

 
Zetscherbrei
Wacholderdrossel
© Thomas Lenk

Zetscherbrei

Krammetsvögel – die Boten des Winters

Von den uns bekannten Drosselarten Amsel oder Schwarzdrossel, Singdrossel, Rotdrossel, Misteldrossel ist die Wacholderdrossel (Turdus viscivorus) auch als Krammetsvogel oder bei uns schlechthin als Zeimer bezeichnet, früher für den Fang und die Jagd, aber auch in der räumlichen Veränderung und Anpassung interessant. Die Krammetsvögel, ursprünglich nur in der Taiga Mittel- und Westsibiriens beheimatet, haben ihr Brutgebiet bis nach Westeuropa und Norditalien erweitert. Das Wort Krammetsvogel leitet sich ab von Kranawitu, das Kranichholz, so wurde der Wacholderstrauch genannt, dessen Beeren die Misteldrossel mit Vorliebe auf dem Speiseplan hat. Da sie neben allem erreichbarem Bodengetier von Beeren und Früchten lebt, war sie seit alters her besonders wegen ihres Wohlgeschmacks geschätzt. Man sagte früher, sie würden ihr Fleisch selbst würzen. Die Zeimer, im Südostvogtland auch als Zetscher bezeichnet, kamen im Januar/Februar in großen Schwärmen. Sie flogen der Kälte voran, wenn der Winter in Nordosteuropa zu streng wurde. Hier in unseren Mittelgebirgen suchten sie die rot leuchtenden Vogelbeerbäume auf, die in wenigen Stunden geleert waren. Dabei waren sie sehr verschwenderisch, denn alle zu Boden fallenden Beeren wurden nicht aufgenommen und kamen unseren einheimischen Tieren zugute.

Da sie in großen Schwärmen kamen, wurden sie auch in großer Zahl gefangen. Im 16. bis 18. Jahrhundert erfolgte der Fang auf dem Vogelherd oder Vogelstellacker. Solche gab es auf der Alberthöhe, am Döhlerwald und am Herrenwald. 1561 existierten 12 solche Fangplätze im Schönecker Wald, wozu ja alle Gemarkungen im Klingenthaler Gebiet gehörten. Auch andere Vögel waren begehrte Fangobjekte. Im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts wurden sie mit so genanntem »Vogelschrot« (1 bis 2 mm) in großer Stückzahl geschossen. Während sie in der Preußischen Jagdordnung von 1907 vom 1. Januar bis 20. September Schonzeit genossen, war in Baden die Jagd von August bis zum 31. Januar möglich. In Sachsen war die Bejagung bis zur Einführung des Reichsjagdgesetzes 1934 erlaubt.

In den Wildabschußlisten des Sächsischen Forstamtes Brunndöbra wurden unter der Spalte Zeimer erlegt:
1878 2 Stück
1881 12 Stück
1885 16 Stück
1897 19 Stück
1901 191 Stück
1904 25 Stück
1905 29 Stück
1909 52 Stück

Da die früchtetragenden Ebereschen häufiger in der offenen Landschaft und in Ortslagen standen, war die Zeimerjagd für die jagenden Pächter eine willkommene Bereicherung. Obwohl keine statistischen Zahlen bekannt sind, kann man von mehreren Hundert jährlich ausgehen. Die Wilddieberei auf Zeimer aus Not oder als Sport war in manchen Zeiten sehr verbreitet. Das reichliche Vorhandensein von Ebereschen in der offenen Landschaft beschreibt Paul Apitzsch in seinem vogtländischen Wanderbuch wie folgt:  »Die ostwärts verlaufende Vogelbeerebereschenstraße« – damit ist der heutige Kammweg vom Unteren Waldgut zum Aschberg gemeint, der auch als Sächsisch-Böhmische Grenzstraße oder als evangelische Straße bezeichnet wurde. Die Wacholderdrossel stand als gebratener Zeimer auf der Speisekarte mancher Gaststätte oder mündlich angeboten im Hinterzimmer. Dazu gereicht wurde immer Kartoffelbrei. Heute wäre dieses Gericht unter Delikatesse eingeordnet.

Die Wachholderdrossel (bis in die fünfziger Jahre ein ausgesprochen nordischer Vogel) ist sie heute in ganz Mitteleuropa zu hören. Da sie die offene, gegliederte Landschaft bevorzugt, ist sie bei uns weniger anzutreffen: es ist häufiger ihr Artgenosse, die Misteldrossel mit der aufrechten hüpfenden Haltung am Boden. Die großen einfallenden Schwärme Zeimer sind sehr selten geworden. Der aufmerksame Naturbeobachter wird bemerkt haben, daß es im Winter keine Ebereschen mehr mit Früchten gibt. Die Beeren werden unreif bereits im Herbst geleert, der Wintervorrat zu früh verbraucht. Ist die Population an Drosseln zu hoch oder die Anzahl an alten fruchtifizierenden Ebereschen zu gering? Es kann auch die gutgewollte Winterfütterung der Menschen die natürlichen Gewohnheiten verschoben haben. Sicher ist, daß kulturhistorische Begriffe und Namen mit der Veränderung in der Natur und der Gesellschaft verschwinden. Zeimer, Zetscher, Krammetsvogel – Namen, die die Jugend nicht mehr kennt.

© Manfred Körner, Klingenthal-Magazin 30 (2003)
 

Klingenthal in DEFA-Filmen

Der Klingenthaler Jens Leistner hatte die Idee, drei alte DEFA-Filme, welche in Klingenthal gedreht wurden, wieder einem öffentlichen Publikum vorzuführen. Die Freiwillige Feuerwehr Klingenthal und die Stadtverwaltung organisierten im Jahre 2003 die Durchführung und das Malzhaus Plauen übernahm die Filmvorführung. Die DEFA-Filme werden vom Progress-Film-Verleih und vom Bundesfilmarchiv Berlin zur Verfügung gestellt. Jens Leistner stellte in der Ausgabe Nummer 30 des Klingenthal Magazins die drei Filme vor:

Einmal ist Keinmal

Der Film wurde unter dem Ar­beits­titel »So klingt’s in Klingen­thal« 1954 durch die DEFA in Klingenthal gedreht. Premiere hatte der Film am 25. März 1955 in Berlin.
Regie: Konrad Wolf (dieser Film war sein Debüt als Regisseur)
Darsteller: Horst Drinda, Brigitte Krau­se, Paul Schulz-Wemburg, An­ne­mone Haase u.v.a.
Länge: ca. 98 Minuten, bunt
Peter Weselin (Horst Drinda), ein Düsseldorfer Musiker, kommt ins vogtländische Klingenthal, um bei seinem Onkel ein paar Wochen ge­ruhsamen Urlaubs zu verbringen. Doch dort, in der Stadt des Instru­mentenbaus, stehen die jährlichen Musiktage vor der Tür, und alle stürzen sich mit Kompositions­wün­schen auf Peter. Das Akkordeonwerk bittet um eine große Komposition fürs Sinfonieorchester, und die hübsche Anna (Brigitte Krause) möchte einen Schlager für ihre Jugend­tanzkapelle. Aus beschaulichen Fe­rien wird also nichts, zumal sich Pe­ter in die kecke und anfangs ziemlich launenhafte Anna verliebt. Und auch die Liebesangelegenheiten von Onkel Edeltanne, der ein Auge auf An­nas Freundin Elvira geworfen hat, müssen einer Lösung nähergebracht werden …

Die Nacht im Grenzwald

Der Film wurde in den Jahren 1967/1968 durch die DEFA in Klingenthal gedreht. Premiere hatte der Film am 16. Juni 1958 in Berlin.
Regie: Kurt Barthel
Darsteller: Harald Domröse, Lutz Frem­de, Jiri Vrstala (bekannt als »Clown Ferdinand«), Rolf Hoppe u.v.a.
Länge: ca. 68 Minuten, s/w Cine
1936 in einer Kleinstadt nahe der tschechoslowakischen Grenze. Die Jungen Lutz (Lutz Fremde) und Ha­rald (Harald Domröse) verbindet eine enge Freundschaft. Lutz lebt bei seiner den Nazis ergebenen Tante. Sein Vater, ein Antifaschist, ist in der Illegalität, er sieht ihn nur manchmal heimlich. Die Mutter ist im Zuchthaus. Haralds Vater, ein SPD-Mann, hat sich offiziell aus der Po­litik zurückgezogen. Auch Harald weiß nicht, dass er illegale Arbeit macht und ist von der scheinbaren Untätigkeit seines Vaters enttäuscht. Gemeinsam mit Lutz versucht er, den Hitlerjungen und dem Nazi­leh­rer Wagner Paroli zu bieten. Mit dem Hissen der roten Fahne auf dem Rathaus bringt er seine Eltern in die Hände der Gestapo. Seine Mutter hält dem brutalen Verhör nicht stand und gibt den Namen eines Kom­munisten preis. Die Jungen informieren den Mann und flüchten mit ihm über die Grenze in die Tschechoslowakei.

Skimeister von morgen

Dieser Film wurde in den Jahren 1956/1957 durch die DEFA in Klingenthal gedreht. Premiere hatte der Film am 13. Dezember 1957.
Regie: Ralf Kirsten
Darsteller: Gerry Wolf, Carl Hau­mann, Rosemarie Menzel, Eberhard Gast, Tilo Rüger, Barbara Meinel, Diet­­mar Humitzsch, Peter Phillip, Rüdiger Koers, Uta Burgart, Edith Boll­mann, Christiane Clausner u.v.a.
Länge: 64 Minuten, s/w
Die Jungen Herbert (Eberhard Gast) und Günter (Tilo Rüger) sind Freunde, auf den schmalen Brettern jedoch, auf denen sie der Winter­sport-Meisterschaft entgegenlaufen, Rivalen. Für seine hervorragenden Leistungen im Vorjahr hatte Herbert vom Staat ein paar »goldene Schnee­schuhe« bekommen, Skier bester Qualität. In diesem Jahr aber ist Günter der Favorit, trotz der einfachen Skier – er hat fleißiger trainiert. Während des Wettkampfes kommt es zwischen beiden zu handgreiflichen Auseinandersetzungen, jeder möchte der Sieger sein. Sie gefährden damit das gute Abschneiden ihrer Gruppe. Angesichts des Scha­dens, den sie dem Kollektiv zugefügt haben, begreifen sie endlich, dass Fairness oberstes Gebot sein muss.

© Klingenthal-Magazin 30 (2003)
 

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