Zetscherbrei
Wacholderdrossel
© Thomas Lenk

Zetscherbrei

Krammetsvögel – die Boten des Winters

Von den uns bekannten Drosselarten Amsel oder Schwarzdrossel, Singdrossel, Rotdrossel, Misteldrossel ist die Wacholderdrossel (Turdus viscivorus) auch als Krammetsvogel oder bei uns schlechthin als Zeimer bezeichnet, früher für den Fang und die Jagd, aber auch in der räumlichen Veränderung und Anpassung interessant. Die Krammetsvögel, ursprünglich nur in der Taiga Mittel- und Westsibiriens beheimatet, haben ihr Brutgebiet bis nach Westeuropa und Norditalien erweitert. Das Wort Krammetsvogel leitet sich ab von Kranawitu, das Kranichholz, so wurde der Wacholderstrauch genannt, dessen Beeren die Misteldrossel mit Vorliebe auf dem Speiseplan hat. Da sie neben allem erreichbarem Bodengetier von Beeren und Früchten lebt, war sie seit alters her besonders wegen ihres Wohlgeschmacks geschätzt. Man sagte früher, sie würden ihr Fleisch selbst würzen. Die Zeimer, im Südostvogtland auch als Zetscher bezeichnet, kamen im Januar/Februar in großen Schwärmen. Sie flogen der Kälte voran, wenn der Winter in Nordosteuropa zu streng wurde. Hier in unseren Mittelgebirgen suchten sie die rot leuchtenden Vogelbeerbäume auf, die in wenigen Stunden geleert waren. Dabei waren sie sehr verschwenderisch, denn alle zu Boden fallenden Beeren wurden nicht aufgenommen und kamen unseren einheimischen Tieren zugute.

Da sie in großen Schwärmen kamen, wurden sie auch in großer Zahl gefangen. Im 16. bis 18. Jahrhundert erfolgte der Fang auf dem Vogelherd oder Vogelstellacker. Solche gab es auf der Alberthöhe, am Döhlerwald und am Herrenwald. 1561 existierten 12 solche Fangplätze im Schönecker Wald, wozu ja alle Gemarkungen im Klingenthaler Gebiet gehörten. Auch andere Vögel waren begehrte Fangobjekte. Im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts wurden sie mit so genanntem »Vogelschrot« (1 bis 2 mm) in großer Stückzahl geschossen. Während sie in der Preußischen Jagdordnung von 1907 vom 1. Januar bis 20. September Schonzeit genossen, war in Baden die Jagd von August bis zum 31. Januar möglich. In Sachsen war die Bejagung bis zur Einführung des Reichsjagdgesetzes 1934 erlaubt.

In den Wildabschußlisten des Sächsischen Forstamtes Brunndöbra wurden unter der Spalte Zeimer erlegt:
1878 2 Stück
1881 12 Stück
1885 16 Stück
1897 19 Stück
1901 191 Stück
1904 25 Stück
1905 29 Stück
1909 52 Stück

Da die früchtetragenden Ebereschen häufiger in der offenen Landschaft und in Ortslagen standen, war die Zeimerjagd für die jagenden Pächter eine willkommene Bereicherung. Obwohl keine statistischen Zahlen bekannt sind, kann man von mehreren Hundert jährlich ausgehen. Die Wilddieberei auf Zeimer aus Not oder als Sport war in manchen Zeiten sehr verbreitet. Das reichliche Vorhandensein von Ebereschen in der offenen Landschaft beschreibt Paul Apitzsch in seinem vogtländischen Wanderbuch wie folgt:  »Die ostwärts verlaufende Vogelbeerebereschenstraße« – damit ist der heutige Kammweg vom Unteren Waldgut zum Aschberg gemeint, der auch als Sächsisch-Böhmische Grenzstraße oder als evangelische Straße bezeichnet wurde. Die Wacholderdrossel stand als gebratener Zeimer auf der Speisekarte mancher Gaststätte oder mündlich angeboten im Hinterzimmer. Dazu gereicht wurde immer Kartoffelbrei. Heute wäre dieses Gericht unter Delikatesse eingeordnet.

Die Wachholderdrossel (bis in die fünfziger Jahre ein ausgesprochen nordischer Vogel) ist sie heute in ganz Mitteleuropa zu hören. Da sie die offene, gegliederte Landschaft bevorzugt, ist sie bei uns weniger anzutreffen: es ist häufiger ihr Artgenosse, die Misteldrossel mit der aufrechten hüpfenden Haltung am Boden. Die großen einfallenden Schwärme Zeimer sind sehr selten geworden. Der aufmerksame Naturbeobachter wird bemerkt haben, daß es im Winter keine Ebereschen mehr mit Früchten gibt. Die Beeren werden unreif bereits im Herbst geleert, der Wintervorrat zu früh verbraucht. Ist die Population an Drosseln zu hoch oder die Anzahl an alten fruchtifizierenden Ebereschen zu gering? Es kann auch die gutgewollte Winterfütterung der Menschen die natürlichen Gewohnheiten verschoben haben. Sicher ist, daß kulturhistorische Begriffe und Namen mit der Veränderung in der Natur und der Gesellschaft verschwinden. Zeimer, Zetscher, Krammetsvogel – Namen, die die Jugend nicht mehr kennt.

© Manfred Körner, Klingenthal-Magazin 30 (2003)
 
Tiere bei Nacht erleben
Der Uhu ist ein nächtlicher Jäger
© Thomas Lenk

Tiere bei Nacht erleben

17.10.2015. Was machen eigentlich die Tiere, wenn es dunkel wird? Der Tierpark Klingenthal gibt interessierten Besuchern die Gelegenheit, das herauszufinden und bietet eine geführte Entdeckungstour durch den Tierpark Klingenthal bei Nacht an. Einlass ist 17 Uhr, die Führung beginnt 18 Uhr. Außerdem gibt es ein Lagerfeuer, Stockbrot und Su am Spieß. Taschenlampe nicht vergessen, rät der Veranstalter. Der Eintritt ist frei.

Online Magazin (2015) > Flora & Fauna, > Veranstaltungen
 
Früher Vogel ...
Singdrossel
© Stephan Ernst

Früher Vogel ...

„Früher Vogel fängt den Wurm“ sagt ein Sprichwort. – Kommen unsere Zugvögel immer früher bei uns an? Diese Frage stellt sich Stephan Ernst. In seinem Beitrag setzt er die Ergebnisse von Statistiken zur Erstankunft der Zugvögel über einen Zeitraum von 1967 bis 2011 in Beziehung zu klimatischen Messreihen. Für 25 Vogelarten von der Bachstelze bis zum Zilpzalp wird die durchgehend verfrühte Ankunftszeit im Vogtland dokumentiert und Interessantes zum Verhalten der Zugvögel vermittelt.

Klingenthal Magazin 74 (2014) Flora und Fauna

 
50 Jahre Tierpark
Pfau
© Thomas Lenk

50 Jahre Tierpark

Der Tierpark Klingenthal feiert 2013 sein 50 jähriges Bestehen.
Klingenthal Magazin 70 (2013)
 
Himmelsziege
Bekassine
© Stephan Ernst

Himmelsziege

Die Bekassine ist der Vogel des Jahres 2013. Wie sie im Volksmund zu ihrem Namen „Himmelsziege“ kam und warum die Art im Vogtland mittlerweile vom Aussterben bedroht ist, lesen Sie in einem Beitrag von Stephan Ernst.
Klingenthal Magazin 70 (2013)
 
Bilder aus dem Duppauer Gebirge
Buchtitel
© Stephan Ernst

Bilder aus dem Duppauer Gebirge

Das Duppauer Gebirge (Doupovské hory) östlich von Karlsbad (Karlovy Vary) in Tschechien ist seit mehr als 60 Jahren nahezu menschenleer. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde hier die einheimische, überwiegend deutsche Bevölkerung vertrieben und ein 330 Quadratkilometer großes militärisches Übungsgelände eingerichtet. Es gehört heute zu den ökologisch wertvollsten Gebieten Mitteleuropas. Einmalige Laub- und Mischwälder, riesige Strauchfelder, Streuobstwiesen, Trocken- und Halbtrockenrasen, Auwaldstreifen, Basaltwände und Felsbänder gestalten die Landschaft überaus abwechslungsreich. Im Duppauer Gebirge kommen etwa doppelt so viele Pflanzenarten vor wie im Umland. Eine Rote Liste enthält mehr als 500 seltene und bedrohte Pflanzenarten, 60 Säugetier-, 147 Brutvogel-, 15 Amphibien- und neun Reptilienarten. Seit 2005 sind 12.500 ha als FFH-Gebiet und eine noch größere Fläche als SPA-Vogelschutzgebiet ausgewiesen.
Der Autor Stephan Ernst, Jahrgang 1951, lebt als Buchhändler in Klingenthal. Er ist Mitglied im Verein Sächsischer Ornithologen und redigiert seit 1991 die wissenschaftliche Vereinsschrift. Er verfasste viele ornithologische Arbeiten, darunter ein Buch über die Birkenzeisige. Neben Forschungsreisen nach Osteuropa und Sibirien führten ihn ornithologische Exkursionen immer häufiger in das grenznahe Duppauer Gebirge. Von 1997 bis 2010 entstanden dort mehr als 3.000 Fotos. Eine Auswahl befindet sich in diesem Buch.

Stephan Ernst, Bilder aus dem Duppauer Gebirge“, ISBN 978-3-00-033895-3

Online Magazin (2014), Literatur

Der Buch-Tipp: „Bilder aus dem Duppauer Gebirge“ von Stephan Ernst
Klingenthal Magazin 63

 

Unser Wald, der Heimat schönstes Kleid

Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2011 zum »Internationalen Jahr der Wälder« erklärt. Diese Aktion soll den Wert des Waldes in das Bewusstsein rücken. Auch das Klingenthaler Gebiet ist reich an Wald, was ein Blick auf die Google-Earth-Satellitendarstellung eindrucksvoll zeigt. Ein Beitrag zur Bedeutung unseres Waldes von Forstmeister a. D. Manfred Körner.
Klingenthal Magazin 62

Weitere Informationen zum Jahr des Waldes erhalten Sie auch im Internet unter www.treffpunktwald.de und www.wald2011.de.
 
Mauersegler in Starenkästen
Mauersegler
© Stephan Ernst

Mauersegler in Starenkästen

Nanu? Wer schaut denn da aus dem Starenkasten? Ein Mauersegler! Der Klingenthaler Hobbyornithologe Stephan Ernst berichtet von seinen Beobachtungen auf dem Aschberg und allerlei erstaunliche Fakten über die Spezialisten der Lüfte.
Klingenthal Magazin 63
 

Der Baum, dein Freund

Forstmeister a. D. Manfred Körner über Baumriesen der Region, wie zum Beispiel die „Hohe Tanne“. Fotos vom Stumpf der „Hohen Tanne“, auf dem eine ganze Familie Platz findet, lassen das Format des Baumes erahnen.
Klingenthal Magazin 63
 

Heimische Heilpflanzen und ihre Anwendung

Die Natur ist auch eine Apotheke und Pflanzen bieten eine Vielzahl von Inhaltsstoffe und erstaunliche Wirkungsweisen. Die Serie „Heimische Heilpflanzen und ihre Anwendung“ berichtet von dem, was Großmutter noch wusste.

Klingenthal Magazin 23: Die Heidelbeere (16)

 

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